BJEMw 2018: 1 x Silber, 1 x Bronze

v.l.n.r.: Zweitplatzierte Sophie Fayngold, u14-Meisterin Luise Schnabel, Drittplatzierte Anna Gutmann (Foto: Schachjugend in Berlin)

Am ersten Märzwochenende fand nicht nur der Heimwettkampf unserer Jugendbundesliga-Mannschaft gegen den SV Empor Berlin und der Stichkampf um die verbliebenen zwei Qualifikationsplätze in der BJEM u12 statt, sondern auch die Berliner Schachmädchen spielten ihre Meisterinnen und Qualifikantinnen zur Deutschen Jugendeinzelmeisterschaft aus.

Wir waren dieses Jahr das erste Mal seit langem (–> An die Vereinschronisten: Gab es schon einmal eine Teilnahme eines WeDa-Mädchens an einer BJEMw? Und falls ja, wer war das und wann?) und dann gleich mit vier Mädchen bei der Berliner Jugendeinzelmeisterschaft weiblich (BJEMw): In der AK u14 traten Anna Gutmann und Sophie Fayngold an; in der AK u10 spielten die gerade erst sieben (!) Jahre alt gewordenden Yiyi Xiao und Linnea John ihr erstes richtiges Turnier.

AK u14:

Anna startete mit einem ausgekämpften, aber aus ihrer Sicht nicht ganz zufriedenstellenden Remis in das Turnier. Beide Seiten ließen je einmal zwischendurch den Gewinn aus, aber bezogen auf die Gesamtpartie war die Punkteteilung in Ordnung. Am zweiten Tag zeigte Anna ihre spielerische Stärke: In der ersten Partie des Tages entwickelte sie aus einer ruhig wirkenden Stellung einen Bauernsturm am Königsflügel, der jeden Zug eine taktische Drohung aufstellte und schlussendlich die Figuren der Gegnerin so einengte, dass sie Material und Partie gewann. In der insgesamt dritten Runde gewann Anna im Mittelspiel durch zwei kleine Kombinationen je einen Bauern und verteidgte sich souverän gegen den gegnerischen Angriff. Danach wickelte sie sicher in ein gewonnenes Springerendspiel mit zwei Mehrbauern ab und gewann die Partie nach insgesamt 87 Zügen. Am letzten Tag durfte Anna sich zuerst mit der Turnierfavoritin Luise Schnabel messen. Sie versuchte ihr Glück in einem Königsangriff, den die Gegnerin aber problemlos verteidigte. Danach war zu viel Material und die Partie verloren. In der letzten Runde spielten dann Anna und Sophie gegeneinander. Nachdem auch alle anderen Paarungen unentschieden ausgingen (abgesehen von der Partie der Turnierfavoritin), einigten sich beide nach 24 Zügen nach einer taktisch geprägten Kurzpartie auf die Punkteteilung, welche Anna mit insgesamt 3 Punkte aus 5 Partien den Bronzerang einbrachte.

Als Setzlistenletzte konnte Sophie ob des ungeraden Teilnehmerfelds erst am Samstagmorgen in das Turniergeschen eingreifen – dafür hatte sie schon einen Punkt sicher. In der zweiten Runde spielte Sophie eine blitzsaubere Angriffspartie gegen den heterogen rochierten König und setzte den König ihrer Gegnerin bereits im 26. Zug matt. Zur Belohnung durfte sie in der dritten Runde gegen Luise antreten. In einer komplizierten Partie hielt sie lange Zeit gut mit, musste aber schließlich Luises Erfahrung Tribut zollen. In der folgenden Partie griff Sophie wieder beherzt den gegnerischen König an und opferte für dauerhaften Königsangriff sogar eine Figur. Mit genauer Verteidigung hätte sich ihre Gegnerin retten können, was ihr aber nicht gelang und so schlug Sophies Angriff schließlich durch. In der letzten Runde spielte sie – wie bereits erwähnt – gegen Anna unentschieden. Sophie war sicherlich mit 3,5 Punkten aus 5 Partien die Turnierüberraschung – von Zero to Hero – von Setzlistenplatz 9 auf den Silberrang!

Herzlichen Glückwunsch an Luise Schnabel, die jede ihrer 5 Partien gewann und damit zurecht Berliner Meisterin u14 wurde. Sowohl Anna als auch Sophie können stolz auf ihre Leistungen und Platzierungen in diesem Turnier sein – die Trainer sind es jedenfalls 😉

Rang Teilnehmer NWZ Verein/Ort S R V Punkte Buchh BuSumm
1. Schnabel, Luise 1671 SV Mattnetz Berlin 5 0 0 5.0 11.5 67.0
2. Fayngold, Sophie
1139 SC Weisse Dame 3 1 1 3.5 15.0 61.0
3. Gutmann, Anna 1365 SC Weisse Dame 2 2 1 3.0 14.0 58.0
4. Relógio Stauber, Anna 1295 SC Borussia 1920 Friedrichsfelde 2 1 2 2.5 13.5 60.0
5. Lange, Malina 1413 TuS Makkabi Berlin 2 1 2 2.5 12.0 65.0
6. Kessen, Fanny 1231 SF Friedrichshagen 1 3 1 2.5 10.0 60.5
7. Klühs, Isabel 1299 SC Borussia 1920 Friedrichsfelde 1 2 2 2.0 12.5 53.0
8. de Veer, Mara 1311 SF Friedrichshagen 1 2 2 2.0 12.0 54.5
9. Berghold, Lotta 1398 SC Borussia 1920 Friedrichsfelde 1 2 2 2.0 9.5 62.0
Teilnehmerinnen der BJEMw AK u10 mit Yiyi Xiao und Linnea John

AK u10:

Für Yiyi und Linnea war die Meisterschaft ihr erstes „richtiges“ Turnier mit langer Bedenkzeit und Aufschreiben der gesamten Partie. Beide Mädels sind eigentlich noch in der AK u7 spielberechtigt und gehörten zu den drei jüngsten Teilnehmerinnen des Felds. Die erste Runde am Samstag wurde genutzt, um sich an die ruhige und konzentrierte Turnieratmosphäre zu gewöhnen – etwas Zählbares am Brett kam noch nicht heraus. Da Linnea in der zweiten Runde spielfrei hatte, durfte sie in der dritten Runde gegen ihre zweite DWZ-Gegnerin spielen. Mit ihrer ersten Eröffnungsvorbereitung sollte sie vor dem drohenden Königsgambit bewahrt werden und sich an Skandinavisch probieren, doch auf den Zug 1.e4 der Gegnerin zog sie a tempo 1… e5 und die „Vorbereitung“ war dahin. Später in der Partie übersah sie einen gegnerischen Bauern, der ihren Springer angriff, da der Bauer sich hinter ihrem eigenen Bauern „versteckte“. Damit war die Figur weg; diesen Materialvorteil verwandelte ihre Gegnerin dann souverän. Am zweiten Tag dann zeigte Linnea tolles Schach: Gegen ihre dritte DWZ-Gegnerin brachte sie tatsächlich nach morgendlicher Vorbereitung mit ihrem Papa Alexander den Skandinavier aufs Brett, nötigte ihrer Gegnerin eine Schwächung der Rochadestellung ab, gewann später eine Figur, nutze die Felderschwächen rund um den gegnerischen König mit dem richtigen Läufer aus und setzte mit einem mehrzügigien Turmmanöver auf der Grundreihe Matt. In der darauffolgenden letzten Partie ging es nur in eine Richtung: Linnea nahm der Gegnerin Bauer um Bauer ab und platzierte ihren Läufer genau richtig, um den gegnerischen König Matt zu setzen. Nur die Dame fehlte noch – mit dieser musste dann ein kurzer Schreckmoment überstanden werden, denn Linnea zog diese zwar so, dass sie Matt drohte, doch leider hatte die Gegnerin auch eine fast identische Mattdrohung gegen Linneas König. Glücklicherweise sah die Gegnerin diesen einzigen Zug nicht und Linnea wurde für diese tolle Partie belohnt. Mit 3 Punkten aus 5 Partien landete Linnea am Ende auf einem hervorragenden 8. Platz – genau wie Yiyi kann Linnea dieses Turnier noch insgesamt 3 x spielen!

Bei Yiyi lief es in diesem Turnier nicht ganz so erfolgreich, was aber unter anderem daran lag, dass sie in ihrer zweiten Partie ungefähr 80 Züge spielte. Die Kraft, die sie in dieser Partie gelassen hatte, fehlte ihr in der dritten Runde. Zusätzlich spielte sie in der dieser Runde noch gegen eine sehr selbstbewusste Spielerin, die selbst bei unabsichtlicher Berührung einer Figur durch Yiyi auf die Regel „Berührt geführt“ bestand. Am Sonntagmorgen zeigte sich dann auch Yiyis Talent: Wunderschön kombinierte sie der Gegnerin eine Figur weg und drang mit beiden Türmen in die gegnerische Stellung ein, kombinierte einen weiteren Bauern weg und schob ihren Freibauern immer weiter nach vorn. Leider vergaß sie dabei ihre Mehrfigur zu decken und wickelte so ungünstig in ein Bauernendspiel ab, dass nicht nur der weit vorgerückte Freibauer weg war, sondern später auch – weil sie ihn zu früh nach vorn schob – auch ihr zweiter Freibauer. Das Endspiel Dame gegen Bauer beherrschte die Gegnerin dann wiederum noch nicht so gut, so dass Yiyi ihren letzten Bauern umwandeln konnte und die Partie nach dem Damentausch sofort remis war. In der letzte Partie fehlten Yiyi dann wieder die Kräfte für eine weitere gute Partie. Am Ende belegte sie mit 0,5 Punkten den 17. Platz, aber auch von Yiyi werden wir in den nächsten Jahren im u10-Bereich noch einiges sehen!

Rang Teilnehmer NWZ Verein/Ort S R V Punkte Buchh BuSumm
1. Praus, Pia-Rosa 980 TSG Oberschöneweide 4 0 1 4.0 14.0 70.0
2. Arnold, Rubina 1048 SV Rot-Weiß Neuenhagen 4 0 1 4.0 11.5 68.0
3. Leongardt, Adel   BSV 63 Chemie Weißensee 4 0 1 4.0 11.0 70.5
4. Mirnaya, Veronika 1196 TSG Oberschöneweide 4 0 1 4.0 11.0 68.0
5. Fock, Madiha 937 SC Zugzwang 95 3 0 2 3.0 16.0 56.5
6. Hecht, Isabel   SC Kreuzberg 3 0 2 3.0 15.0 65.0
7. Verbitska, Oksana 948 SV Mattnetz Berlin 3 0 2 3.0 13.0 61.5
8. John, Linnea   SC Weisse Dame 3 0 2 3.0 10.0 65.0
9. Bhuvana, Reddi   Schachpinguine Berlin 2 1 2 2.5 11.0 60.0
10. Grigoryan, Nare   Schachpinguine Berlin 2 0 3 2.0 15.0 59.5
11. Le, Thao-Linh 742 SV Mattnetz Berlin 2 0 3 2.0 14.0 54.0
12. Grigorova, Sophie   Schachpinguine Berlin 2 0 3 2.0 12.5 54.5
13. Zhou, Leyi Charlotte   Schachpinguine Berlin 2 0 3 2.0 10.5 60.0
14. Grozea, Patricia 777 SV Mattnetz Berlin 1 1 3 1.5 12.5 59.5
15. Schülke, Rosalie 928 Schachpinguine Berlin 1 0 1 1.0 14.5 26.0
16. Belkina, Elisabeth   Schachpinguine Berlin 0 1 4 0.5 12.0 58.0
17. Xiao, Yiyi   SC Weisse Dame 0 1 4 0.5 8.5 60.0

Insgesamt war die BJEMw ein tolles Turnier, in welchem die Berliner Mädels mal unter sich waren. Die Atmosphäre war aufgrund der geringen Teilnehmerzahlen entspannt und ruhig, aber konzentriert; die Mädels untereinander gingen sehr offen miteinander um – bspw. spielten Linnea und Yiyi vor der ersten Partie mit einigen älteren Mädchen UNO, aber auch im Spielsaal und am Brett wurden die ein oder anderen Gespräche geführt! Vielleicht kommt nächstes Jahr noch das ein oder andere weitere Mädchen unserer Trainingsgruppen mit!

Turnierseite der Schachjugend in Berlin mit Ergebnissen und Tabellen