Q-Kids U13 (5): Standortbestimmung!?

Zwanzig Minuten vor Turnierbeginn schlüpfte der Spielleiter in die Rolle eines Schachreporters und verkündete über den Nachrichtenkanal des Teams, dass man nach aktuellem Anmeldestand mit dem „beinahe Besten“ antreten würde, was das Team im Bereich U13 zu bieten hat. Ob dies als Aufforderung oder Motivation aufgefasst wurde, blieb ungeklärt, Tatsache ist aber, dass sich mit alex_david und Florchen zu Turnierbeginn zwei weitere Talente hinzugesellten, so dass das „beinahe“ gestrichen werden konnte.

Nachdem bislang ein 3. Platz in dem mit 16 Mannschaften bestückten Kinderturnier das beste Ergebnis darstellte, stellte sich also die ernste Frage: „Geht da noch mehr?“ Ja, es ging: Nach verhaltenem Beginn arbeitete man sich zwischenzeitlich bis auf nur einen Punkt an Tabellenführer und Favoriten „Schachklub Kelheim – Nachwuchs“ heran und gab den damit verbundenen 2. Platz bis zum Schluss auch nicht mehr ab. Das entsprach dann auch tatsächlich den Erwartungen – oder besser gesagt dem zu Erwartenden, denn einen Erwartungsdruck gab es selbstverständlich nicht.  Hier geht’s zum Turnier

Er kam, sah und siegte: Bei seiner 1. Turnierteilnahme erzielte Florchen (1953) nicht nur die meisten Wertungspunkte für seine Mannschaft, sondern gleich des gesamten Teilnehmerfeldes von exakt 100 Spielerinnen und Spielern. Begünstigt wurde dieser Erfolg durch Losglück und gelegentlich auch Spielglück, wie der Verlauf der Partie gegen Sting2010 (2067) belegt (Stellung nach 17. Dc5-a7?!):

Am Besten für Schwarz (Florchen) war hier das unauffällige aber wirksame 17. … b6 mit beiderseitigen Chancen nach 18. Txd8 (warum ist der Bauer a6 vergiftet?, Auflösung unten) Txd8.  

In der Partie folgte indes 17. … Lxc4 18. Lc5 Txd1?? und in offensichtlich schwerer Fehleinschätzung der Lage „ver-griff“ sich der Weiße Bischof mit katastrophalen Folgen an der Schwarzen Dame: 19. Lxe7?? Txf1# (Luftloch? – Luftschloss!), während 19. Txd1 die Qualität und damit mutmaßlich auch die Partie gewonnen hätte. Fakt ist: 17. … Lxc4 ist spielbar, aber nur, wenn Schwarz die feine und einzig mögliche Fortsetzung antizipiert, die nach18. Lc5 Materialverlust vermeidet (Auflösung unten).

Das Abschneiden der gesamten Mannschaft in tabellarischer Form (8,9 und 10 stiegen erst spät in das Turnier ein, 11 trat nicht an) … 

… und das Turnierergebnis

 

Lösungen:

  1. Auf 17. … b6 18. Dxa6? folgt 18. … Ta8 19. Db7 Tfb8 20. Dxc6 Se5 und die Weiße Dame sitzt in der Falle: 21. Sd5 Sxc6 22. Sxe7 Sxe7 oder 21. Db5 Ta5 jeweils mit entscheidendem Materialgewinn für Schwarz.
  2. Nach 17. … Lxc4 18. Lc5 muss Schwarz 18. … De8! ziehen. Und nun hat Weiß nichts Besseres als 19. Lxf8 Lxf1 20. Kxf1 Txd1+ 21. Sxd1 Kxf8 22. Dxb7 De5 mit ausreichend Gegenspiel für Schwarz, weil dieser nach dem Versuch 19. Txd8 Dxd8 20. Td1 mit 20. … Da8! (die Pointe, der Tf8 ist tabu) sogar den Mehrbauern behauptet.